Die Idee zur Diplomarbeit entstand nicht im Hörsaal, sondern im Arbeitsalltag. «Immer wieder erlebe ich Situationen (z.B. Vertragsverlängerungen) mit Kunden, bei denen die Innovationskraft der Partnerschaft zur Diskussion steht», erzählt Markus Fellmann. Aus aktuellem Anlass zeigt sich beispielsweise im Bereich Release Management, wie wichtig es ist, Prozesse End-to-End zu verstehen und bewusst zu gestalten. Das kommt häufig zu kurz.
Diese Erfahrungen führten zu einer zentralen Erkenntnis: Innovation im Outsourcing wird oft als Zufallsprodukt betrachtet, statt als strategisches Ziel. Das soll sich ändern. Gemeinsam mit Julien van der Linde entschied sich Markus, das Thema wissenschaftlich zu untersuchen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Den Fokus legte er bewusst auf Prozessinnovation (und nicht Produktinnovation), denn gerade in ausgelagerten Strukturen ist die Fähigkeit, Abläufe kontinuierlich anzupassen, entscheidend für den Erfolg.
Unterstützt von Inventx durch Zeitfenster, Zugang zu Expertise und finanzielle Förderung entstand eine Diplomarbeit, die Theorie und Praxis verbindet. Basierend auf einer systematischen Literaturrecherche und Experteninterviews entwickelten Markus und Julien einen modularen Leitfaden und ein Toolkit, das Innovationsfähigkeit in Outsourcing-Partnerschaften auf strukturierte Weise sichert.
Fünf Hebel für nachhaltige Innovationskraft
Die Analyse zeigt, dass Innovation kein Zufallsprodukt ist. Sie entsteht, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Und diese lassen sich gezielt gestalten.
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Starke Retained Organization
Outsourcing bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Banken müssen intern Schlüsselkompetenzen bewahren, um Innovationsimpulse aufzunehmen und den Provider gezielt zu steuern. Ohne klare Rollen und methodische Fähigkeiten droht Abhängigkeit und Innovationsstau.
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Gemeinsame Governance
Innovation braucht Verbindlichkeit. Joint Innovation Boards mit geteilten KPIs schaffen Transparenz und Fokus. Sie stellen sicher, dass Innovation nicht «nebenbei» passiert, sondern als gemeinsames Ziel verankert ist.
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Kultur & Leadership
Technologie allein reicht nicht. Vertrauen, offene Kommunikation und eine positive Fehlerkultur sind gerade in heterogenen Partnernetzwerken entscheidend. Ohne diese Basis bleiben Ideen in der Schublade.
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Vertragliche Anreize
Klassische SLAs greifen zu kurz. Bonus-/Malus-Modelle oder Innovationsbudgets setzen messbare Impulse und machen Innovation verbindlich.
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Transparente Prozesse
End-to-End-Dokumentation und standardisierte Schnittstellen reduzieren Komplexität und machen Optimierungspotenziale sichtbar – ein Muss in einer zunehmend regulierten Umgebung.
«Die meisten dieser Elemente sind branchenübergreifend relevant», betont Markus. «Prozessinnovation muss unabhängig von der Branchenzugehörigkeit bewusst gepflegt werden, auch wenn man sich für Outsourcing entschieden hat.»
Toolkit: Von der Theorie in die Praxis
Auf der Basis der Interviewerkenntnisse sowie der definierten Hebel wurde ein konkretes Toolkit entwickelt. Es hilft einerseits zu verstehen, wo das Unternehmen generell steht und an welchem Punkt man sich mit Outsourcing-Partnern befindet. Es übersetzt daher die wichtigsten Erkenntnisse in konkrete Werkzeuge, von Checklisten für die Ausschreibungsphase bis zu KPI-Sets für den Betrieb. Es hilft Banken, die richtigen Fragen zu stellen: Welche Kompetenzen müssen intern bleiben? Wie sieht eine Governance-Struktur aus, die Innovation fördert? Welche Anreizmechanismen gehören in den Vertrag?
«Wir wollten die Tools über den gesamten Customer-Lifecycle kombinieren», erklärt Markus Fellmann, denn oft gebe es keine bewusste Auseinandersetzung mit der Innovationsfrage. Sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer seien hier in der Pflicht, dies anzusprechen. Das Toolkit soll Orientierung geben.
Composable Business beeinflusst Outsourcing
Auch die IT-Architektur hat Auswirkungen auf den Outsourcing-Prozess. Die IT-Landschaft der Banken wird zunehmend modular. APIs, Microservices und standardisierte Schnittstellen senken Migrationshürden, und Providerwechsel werden daher einfacher und schneller vollzogen. Das Konzept des Composable Business macht Systeme flexibler, aber auch den Wettbewerb härter: Wer nicht liefert, wird ersetzt.
Das erhöht den Druck auf Dienstleister, konstant exzellente Leistung zu erbringen und Innovation aktiv voranzutreiben. Für Inventx bedeutet das: noch näher am Kunden, methodisch stark und mit klarer Innovationsagenda zu operieren. Unsere Swissness, unsere Kundennähe und unser tiefes Verständnis für regulatorische Anforderungen machen dabei den Unterschied.
Weiterbildung und Innovation ganzheitlich denken
Dass diese Diplomarbeit im Rahmen einer berufsbegleitenden Weiterbildung entstand, ist kein Zufall. Inventx fördert gezielt On-the-job Formate, die Mitarbeitenden ermöglichen, Wissen direkt in die Praxis zu übertragen. Weiterbildung wirkt, wenn sie an echten Situationen aus dem Arbeitsalltag ansetzt. Für Markus war das Projekt nicht nur fachlich, sondern auch persönlich ein Gewinn: «Ich habe mein Netzwerk erweitert, neue Perspektiven gewonnen und gelernt, wie KI sinnvoll unterstützen kann – ohne den kritischen Blick zu verlieren.» Die Weiterbildung an der HSG würde er seinen Kolleginnen und Kollegen ohne Bedenken weiterempfehlen.
Eine zentrale Erkenntnis aus der Diplomarbeit ist, dass Innovation zu oft auf ein Produkt behaftet wird. Innovationsfähigkeit liegt jedoch vor allem im Prozess. Und Prozesse lassen sich gestalten. Mit klaren Strukturen, den richtigen Anreizen und einer Kultur, die Innovation fördert.
Möchten Sie mehr über die Inhalte der Diplomarbeit erfahren oder das Toolkit genauer kennenlernen? Laden Sie das Management Summary herunter und entdecken Sie, wie Sie Ihre Outsourcing-Partnerschaften innovationsstark gestalten können.
Für weiterführende Informationen dürfen Sie Markus Fellmann direkt kontaktieren:
Markus Fellmann
Cluster Leader Banking Application Operation
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